Befindet sich die Bundesrepublik Deutschland in der Rezession oder nicht? Rein nach dem Zahlenmaterial des Statistischen Bundesamtes und der Definition für eine Rezession, wonach das Bruttoinlandsprodukt mindestens zwei Quartale in Folge schrumpfen muss, lautet die Antwort auf diese Frage ganz klar: ja.
Diese Definition wird von vielen Experten allerdings um wirtschaftliche Begleiterscheinungen - weniger Investitionen und Gewinne der Unternehmen sowie ein Plus bei der Arbeitslosigkeit - ergänzt, ehe sie von einem ausgeprägten Abschwung sprechen. Sie verweisen zudem auf das Zerrbild, das sich durch das starke erste Quartal ergibt (plus 1,4 Prozent). Der milde Winter hat unter anderem dafür gesorgt, dass wesentlich eher mit der Bautätigkeit begonnen werden konnte.
Das zweite und dritte Quartal schnitten jetzt mit minus 0,4 bzw. minus 0,5 Prozent deutlich schlechter ab und erfüllen damit den “Tatbestand” der Rezession. Ursachen sind laut Statistikamt der schwache Export und die zunehmenden Importe. Bestätigt wird diese Negativentwicklung auch von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Ihre Berechnungen, die laut eigener Aussage auf eher unsicheren Prognosen beruhen, sehen auch die nächsten Quartale in der Eurozone und den USA im Minus. Erst ab dem Herbst 2009 nehme das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wieder Fahrt auf. Diese Situation erlebte Deutschland zuletzt zwischen Herbst 2002 und Frühjahr 2003, als das BIP gleich drei Mal in Folge sank.
